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„Volksverräter“ mit 16 – Zeitzeugengespräch ging unter die Haut

Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich nicht mehr zur Schule gehen darf, Freunde sich von einem abwenden und der eigene Traum vom Abitur zerplatzt – nur weil die Familie ein Land verlassen möchte? Antworten auf diese und viele weitere Fragen bekamen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 aus erster Hand. Zu Gast war der Zeitzeuge Peter Keup, der seine ganz persönliche Geschichte aus der DDR erzählte – spannend, bewegend und immer wieder eingebettet in die großen Ereignisse der deutschen Teilung. Dabei wurde schnell klar: Hinter Begriffen wie Mauerbau, Republikflucht oder Stasi verbergen sich echte Schicksale.

Besonders eindrucksvoll war, dass Herr Keup im Alter der heutigen Zehntklässler war, als ihn eine Lehrerin aus dem Unterricht holte und ihn als „Volksverräter“ von der Schule verwies. Abitur? Gestrichen. Leichtathletik? Verboten. Seine einzige „Schuld“: Die Familie hatte einen Ausreiseantrag gestellt. Wenig später scheiterte sein Fluchtversuch über Ungarn, er wurde verhaftet, verhört, monatelang in Einzelhaft gesperrt und schließlich wegen versuchter Republikflucht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Für viele sorgte vor allem ein Moment der Fragerunde für Gänsehaut: Herr Keup berichtete, dass sein eigener Bruder als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi über Jahre Informationen über ihn und die Familie weitergegeben hatte.

Das Zeitzeugengespräch machte eindrucksvoll deutlich, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben: überwacht zu werden, Freiheit zu verlieren und erleben zu müssen, wie politische Entscheidungen Familien, Freundschaften und Zukunftspläne zerstören können. Gerade weil Herr Keup seine persönlichen Erlebnisse immer wieder mit der Geschichte der DDR verknüpfte, wurde Geschichte greifbar – weit über das hinaus, was ein Schulbuch vermitteln kann. Rund 36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung war diese Begegnung für alle Beteiligten eine ebenso spannende wie wertvolle Geschichtsstunde.