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WAZ vom 23.12.2016: Für die neuen Algen opfern AvD-Schüler ihre Freistunden

24.12.2016



Für Urlauber und Teich-Besitzer sind sie oft ein Graus – acht Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums (AvD) bringen sie jedoch dazu, seit Monaten Freistunden und Pausen zu opfern: Algen. Um diese Lebewesen zu erforschen, plante und baute der Oberstufen-Projektkurs Biologie jetzt selbstständig eine spezielle Kulturanlage, der Kursleiter Rainer Orzessek – einst selbst Wissenschaftler für das Fachgebiet Algen und heute Biologie- und Erdkundelehrer am AvD – Universitätsniveau attestiert.

Karina Stuhrmann, Ilayda Nas Araeli, Dana Sallamon, Liv Teimel, Lisa Osterholt, und Nina Roith, untersuchen eine Algenkultur in einem Erlenmeyerkolben. Foto: Thomas Schmidtke

Was da im zweiten Obergeschoss in überdimensionalen reagenzglasähnlichen „Reaktoren“ grünlich blubbert, hat den Forscherdrang der 17- bis 19-Jährigen geweckt, kaum dass die ersten Süßwasserbewohner per Post eingecheckt hatten. Bei einer Professorin der Ruhr-Uni Bochum hatten sie sich über deren Kulturanlage informiert, dann aber doch eine eigene entwickelt, bei der die Algen sich nicht am Boden festsetzen. Finanziert hat dies der Förderverein unter Leitung von Stefanie Hosiepe mit rund 2500 Euro.

 

Algen lieben Mineralwasser und Orchideendünger

 

„Zunächst mussten die Schüler die Algen aber erst einmal durchbringen, weil sie nicht wussten, was diese fressen“, so Lehrer Orzessek. Erst die Methode Versuch und Irrtum habe geholfen, das Leibgericht der Feinschmecker zu entdecken: natürliches französisches Mineralwasser aus der Auvergne und Orchideendünger – flüssig, versteht sich. „Dann endlich veränderten die Algen wieder ihre Färbung von Rot zu Grün“, so Liv Teimel (17).

 

Immerhin konnten die Schüler diese Beobachtungen nutzen, um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Wachstum der Algen zu dokumentieren. „Wir messen und notieren in unseren Freistunden auch Temperatur, Sauerstoffgehalt, Leitfähigkeit und Lichtstärke in den Reaktoren“, erklärt die Schülerin. Ganz praktisch zu erleben, wie Algen auf Lebensbedingungen wie etwa Lichtfarben reagieren und Fotosynthese betreiben, ist aber nicht nur Faszination pur. „Die Schüler sollen auch lernen, weitgehend eigenverantwortlich ein wissenschaftliches Projekt zu betreuen, an dessen Ende ein gemeinsam erarbeitetes Produkt steht“, erläutert Orzessek.

 

Die Nachhaltigkeit ist gesichert

 

Reiner Selbstzweck ist die Kulturanlage übrigens nicht: „Sie steht künftigen Projektkursen für weitere Versuchsreihen zur Verfügung, die die Grundlagenforschung fortführen können“, so Schülerin Liv Teimel.